Feinste Klischee-Breichterstattung
21. November 2009 | Von Admin | Kategorie: Aktuelles
Jointhülle
Das Jeversche Wochenblatt veröffentlichte einen Artikel über einen Aufklärungsvortrag zum Thema “Drogen und Sucht bei Jugendlichen”. Was dort von dem referierenden Chritoph Hartz verzapft wurde ist schon arg klischeebehaftet. Hier einige Auszüge:
Wenn Sie so etwas bei ihren Kindern finden, dann stimmt was nicht.“ Christoph Hartz hält ein konisches, etwa 20 Zentimeter langes Rohr in die Höhe, das wie ein zu groß geratenes Zigarettenmundstück aussieht.
Ob eine Jointhülle gemeint ist?
Dazu gehören unter anderem schicke Pillendosen, Briefwaagen und Rasierklingen. [...] In einer Pillendose schützen die Konsumenten ihre tablettenförmigen Drogen (LSD, Ecstasy) vor dem Zerkrümeln. Mit einer Briefwaage kontrollieren die Abhängigen, ob sie von ihrem Dealer mengenmäßig nicht übers Ohr gehauen worden sind. Und mit einer Rasierklinge verteilen Kokain-Verbraucher vor dem Schniefen den „Koks“ auf einem Spiegel.
Klar, und LSD wird in Badewannen mit Putzmitteln hergestellt. Ich habe ehrlich gesagt noch niemanden gesehen, der sein Pulver, welcher Art auch immer, mit einer Rasierklinge auf einem Spiegel zubereitet hat. Viel gebräuchlicher ist doch ein glatter Tisch und eine Bank- oder Krankenkassenkarte (o.ä.). Und wer Drogen mit einer Briefwaage abwiegt, gehört wohl mehr zu den Leuten, denen es auf einen Gramm mehr oder weniger nicht ankommt. Und diese “Pillendosen” bekommt man mit Bonbons auf jeder Messe als Werbegeschenk hinterhergeschmissen. Tolle Indikatoren für Drogenkonsum. Außerdem werden doch gerade von Jugendlichen kleine Mengen zum sofortigen Konsum gekauft. Da sind Zipbeutel doch wohl viel auffälliger als ominöse Dosen.
Der Polizist kennt den Spruch einiger ehemaliger Freaks, dass ab und zu ein Joint nichts schade. Das mag zu der Zeit, als die Alt-Kiffer die Haschisch-Zigarette kreisen ließen, gegolten haben, so der Drogenspezialist. Tatsache ist jedoch, dass die Hanf-Pflanze, aus denen Cannabisprodukte hergestellte werden, durch Neuzüchtungen viel mehr Suchtstoffe beinhalte als noch zur Zeit der Hippie-Bewegung.
Aha, früher war das ok, heute nicht mehr. Höhere Wirkstoffgehalte sagen doch nichts über die konsumierte Menge aus. Früher hat man auch Spliffs geraucht (Pures Marihuana ohne Tabak), das macht heute doch kaum einer mehr. Und die tatsächlichen Wirkstoffgehalte sind bei Weitem nicht so angestiegen, wie es oft berichtet wird. Demnach müsste das Gras inzwischen ja zu 60% aus THC bestehen (mit einer netten Ummantelung aus Chlorophyll und Cellulose).
Blässe, Schwitzen und Zittern weisen ebenso auf eine Drogensucht hin wie ständige Geldknappheit.
Ich will es eigentlich schon gar nicht mehr kommentieren. Da muss das Kind ja schon Hardcore-Alkoholiker sein. Und chronische Geldknappheit habe ich auch. Das liegt aber eher am Studentendasein. Wobei Studenten ja eh alle Drogen nehmen, oder?
Hartz selbst hat nach eigenen Angaben übrigens nie illegale Drogen genommen. Als Jugendlicher habe er immer wieder von seinem Vater zu hören bekommen: „Wenn du das nimmst, bleibst du ewig süchtig.“
Super! Und mit diesen Unwahrheiten seines Vaters verbreitet er jetzt Halbwahrheiten und festigt Klischees. Aufklärung ist jedenfalls etwas anderes. Gerade aufgrund dieser Mangelinformationen habe ich damals erst begonnen mich für die Thematik zu interessieren.
Auch zündete er einen Marihuana-Block an und verbreite so in der neuen Mensa den für diese Droge typischen Duft.
Hier beweist auch der Journalist keine Ahnung zu haben. Ich habe jedenfalls noch nie einen Marihuana-Block gesehen. Wohl aber Peace (Haschisch). Das kommt von Haus aus im praktischen Block.
Oh man, schade, dass es auch heute noch immer wieder solche Berichterstattungen gibt. Viel zu häufig werden dann solche Beiträge auch noch in Schulen gehalten. Man soll die Drogen ja nicht schön reden, aber bisweilen fehlt das wichtigste: INFORMATIONEN
Wenn mir jemand sagt: “Hör auf im Internet zu surfen, das ist schlecht!”, werde ich das sicherlich nicht hinterfragen und einfach so hinnehmen. Genug gemeckert. Ich verbleibe mit einer kleinen Cannabisprodukt-Kunde.(PS: Das abgebildete Marihuana sollte man besser nicht kaufen. Sieht nach irgendeinem Unkraut aus.)
